|
Bericht aus dem "Darmstädter Echo" vom 11.06.2005
Partner bis zum Endprodukt
Ober-Ramstädter Produktionsagentur Bosspress Full-Service bietet Druck und Service
Was hat eine Broschüre in einem Fünf-Sterne-Hotel irgendwo in Singapur, Brasilien oder Kanada mit Ober-Ramstadt zu tun? Eine ganze Menge, würde Florian Göhde wohl sagen, der Geschäftsführer der Produktionsagentur Bosspress Full-Service Florian Göhde GmbH (BPR) in Ober-Ramstadt.
„The Leading Hotels of the World“, ein Zusammenschluss von 427 Luxushotels in 80 Ländern, ist seit über 15 Jahren Kunde seiner Produktionsagentur. Kürzlich erst hat BPR für die Leading Hotels eine achtseitige Broschüre mit 23 verschiedenen Umschlagsversionen und 14 verschiedenen Inhalten – je nach Hotel, Land und Sprache – produziert. Auch der Versand wurde über BPR abgewickelt. Ebenfalls für die Hotelgruppe ist eine aufwendige Pressemappe entstanden, zweifach geprägt, gestanzt und mit einer Einlegetasche versehen.
„Man kann nur Geld verdienen, wenn man ein breites Leistungsspektrum anbietet“, hat BPR-Chef Florian Göhde (37) erkannt. Eine Produktionsagentur werde vor allem dann interessant, wenn ein Kunde mehr wolle, als nur einen reinen Druckauftrag vergeben. „Die Druckbranche unterliegt einem enormen Wettbewerbsdruck. Wir halten uns stabil, weil wir vor- und nachgelagerte Produktionsstufen anbieten“, so Göhde.
Er ist für seine Kunden Ansprechpartner für allen Stufen der Druckproduktion: Planung und Konzeption sowie die digitale Layout- und Satzherstellung erfolgen zum Teil direkt in Ober-Ramstadt. Die Reproduktion und Bildbearbeitung für alle gängigen Druckverfahren übernimmt dann eine Lithographie-Firma in Mainz. Dort werden auch so genannte „Proofs“ erzeugt, Testdrucke, bei denen die digitalen Daten dem letztlichen Druck möglichst angenähert werden.
Für den eigentlichen Druckvorgang beauftragt Göhde je nach Auflagen Druckereien aus der Region, aus dem süddeutschen Raum oder gar europaweit. Bei fast allen Druckproduktionen ist er persönlich vor Ort, um Farben abzustimmen und die Qualität zu sichern. Hier sind sämtliche Druckarten vom gängigen Offsetdruck über Siebdruck, Tiefdruck, Endlosdruck oder Textildruck möglich.
Über Lettershops lässt BPR die Produkte weiterverarbeiten. Hier wird dann gefalzt, geheftet, kuvertiert und personalisiert, das heißt Briefe werden mit einer persönlichen Anrede versehen. Außerdem kümmert sich BPR um die Adressverwaltung der Kunden, Mailings und vor allem den Versand und die Porto-Optimierung. Gerade hier liegt laut Göhde ein großes Einsparpotenzial.
Gespart werden muss auch bei BPR. Die Umsatzzahlen sind seit 1997 nahezu gleich bleibend: 2004 betrugen die Erlöse 650 000 Euro zuzüglich der Provisionsbeteiligungen an einem betreuten Auftragsvolumen von 2,5 Millionen Euro (2003: 630 000 Euro). 1997 hatte die Firma 15 bis 20 Aufträge pro Monat, heute ist das Vierfache zu bewältigen bei konstantem Umsatz. Das Volumen der Aufträge sinke kontinuierlich, begründet Göhde. Wachstum sei derzeit schwierig zu erreichen. 70 Prozent des Umsatzes wird über den Full-Service erwirtschaftet, 30 Prozent sind reine Druckaufträge. Kleinere dieser Druckaufträge liefert BPR selbst aus.
Die Firma hat derzeit drei Mitarbeiter: Außer Göhde sind noch ein Produktioner und eine Bürokraft für BPR tätig, dazu kommen einige freie Texter, Grafiker und Übersetzer. „Wir konnten die Nase über Wasser halten, weil wir konsequent den Marktbedürfnissen gefolgt sind“, betont Göhde. So habe man seit der Gründung des Unternehmens die Serviceleistungen den Kundenwünschen entsprechend erweitert, durch die Erstellung und Verwaltung von Datenbanken oder den Versand.
Ebenfalls als Anpassung an den Markt versteht Göhde die Neubesetzung einer Stelle durch einen Mediengestalter. Dadurch könnten druckfähige Daten schneller und flexibler produziert und geprüft werden. 1986 wurde BPR von Horst Göhde, Vater des heutigen Chefs, gegründet – damals als reine Produktionsagentur mit Übernahme von Daten, Termin- und Qualitätskontrolle und Auftragsabwicklung. Nach dem Tod des Seniorchefs übernahm Florian Göhde 1997 die Firma – zu dieser Zeit noch BWL-Student. „So etwas wollte ich überhaupt nicht machen“, sagt er. Mittlerweile ist er von seinem Job begeistert.
Was ihn vor acht Jahren überzeugte: Die beiden wichtigsten Kunden „Leading Hotels“ und Wehkamp, das größte Versandhandelshaus in Benelux, hielten ihm Treue. Die Niederländer beauftragen Göhde unter anderem zweimal jährlich mit der Produktion von Teilen des Hauptkataloges mit 1,5 Millionen Exemplaren.
„Die Lieferantentreue ist aber nicht mehr so wie damals“, räumt Göhde ein. So hat er gerade erst den Auftrag für ein Mailing der „Leading Hotels“ verloren. Dort werden jetzt interne Datenbanken eingesetzt. Dafür sind in dieser Woche drei Aufträge für die europäische Wettersatellitenorganisation Eumetsat eingegangen. BPR soll unter anderem eine zweisprachige Fachpublikation von rund 80 Seiten herstellen.
„Wir haben sicher auch Aufträge an Druckereien direkt verloren“, berichtet Göhde. Vor allem Werbeagenturen seien eine große Konkurrenz. „Es gibt potenzielle Kunden, die wenden sich sofort an eine Werbeagentur, weil sie sich darunter mehr vorstellen können als unter einer Produktionsagentur.“
Göhde ist aber optimistisch. Er könne durch seine Markttransparenz oft günstiger einkaufen als die klassischen Agenturen. Dieser Preisvorteil wird dann an die Kundschaft weitergeben.
--------------------------------------------------------------------------------
Quelle: Darmstädter Echo vom 11.06.2005: Autorin: Carolin Neubauer
--------------------------------------------------------------------------------
|
|